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Monday, October 4, 2010

München – Moskau – Ulan Bator

Der Flug nach Moskau verläuft reibungslos und beschert uns nach 3 Stunden Flug mit der ersten Zeitverschiebung von zwei Stunden. In Moskau selbst ist es noch heißer als bei uns und ich komme mir mit meinen Wanderstiefeln und zwei Jacken etwas warm angezogen vor. Wir haben genügend Zeit um in aller Ruhe den Flug nach Ulan Bator zu suchen und gelangweilt rumzusitzen. Das Essen bei den Aeroflot-Flügen ist wie immer Fisch oder Fleisch in Alufolie, aber soweit ganz o.k. Abends geht es dann weiter nach Ulan Bator. Wir sind schon müde und schauen uns noch einen der Filme von Miasake an, die Alexander für mich noch für das Laptop zurecht geschnitten hat. Der Flug dauert endlose sechs Stunden und Sarah ist alles andere als aufgeregt und hat auch keinen Baldrian mehr genommen. Mitten in der Nacht wachen wir aus dem Halbschlaf auf, weil das Flugzeug in Novo Sibirsk zwischengelandet ist. Der Flieger hat nicht genügend Sprit und muss nachgetankt werden. Das dauert eine Extrastunde und in der Früh um 7 sind wir mit insgesamt 5 Stunden Zeitverschiebung in Ulan Bator angekommen.

Gepäckschwund
Wir kommen aus dem Flieger und warten auf unser Gepäck. Alles trudelt schön langsam ein, Sarahs Riesenkoffer und alle Geschenke sind da. Ich weigere mich noch nervös zu werden, als mein Rucksack noch nicht aufgetaucht ist, obwohl nichts mehr neues auf das Gepäckband kommt. Andere Reisende starren ähnlich übermüdet auf die Rucksäcke und Koffer, die langsam an uns vorbei ziehen, die aber anscheinend keiner haben will. Irgendwann sehe ich ein, dass ich wohl nachfragen muss. Zusammen mit den anderen Fluggästen, die etwas vermissen, gehen wir zu einem Pult hinter dem sich mongolische Mitarbeiter der MIAT postiert haben. Mit Händen, Füßen und Piktogrammen auf denen verschiedene Gepäckstückarten, Farben und Zahlen abgebildet sind, versuchen wir unseren Verlust zu erklären. Die Leute scheinen gut vorbereitet zu sein, wir sind wohl nicht die ersten, die ohne Gepäck ankommen. Als ich erkläre, dass es sich bei meinem vermissten Gepäckstück um einen roten Rucksack handelt, werde ich freudestrahlend zu dem übrig gebliebenen Gepäck geführt, in dem ein roter Rucksack liegt, den ich schon vom Gepäckband her kenne. Einen ganz kurzen Augenblick bin ich versucht, den Rucksack mitzunehmen. Ist meiner vielleicht während der Flugreise gealtert? Gibt es eine Gepäckmetamorphose, die spontan beim Übertreten des 40. Längengrades eintritt? Der Rucksack sichtlich auch mit einer Outdoorausrüstung bestückt, wenn auch schon älteren Datums. Vielleicht kann ich von der Erfahrung des anderen profitieren und irgendein Rucksack mit irgendeinem Inhalt ist besser als keiner. Aber wo wollte der andere denn eigentlich hin? Wohl nicht in die Mongolei und der Inhalt des Rucksacks erscheint ungewiss. Das Unverständnis und die Enttäuschung der Mitarbeiter ist groß, als ich den Rucksack nicht haben will. Ich denke, wem wohl dieser Rucksack gehört, und wo auf der Welt sich gerade diese Person nach ihrem ganz persönlichen Inhalt sehnt. Ob der wohl ähnlich sorgfältig gepackt wurde? Nach einer Stunde ist irgend ein Zettel ausgefüllt, alle Rucksackdaten hinterlassen, inklusive der Gepäcknummer und ich habe die Telefonnummer und den Namen eines Mitarbeiters des Aeroflotbüros in Ulan Bator bekommen, damit ich mich erkundigen kann, ob mein Rucksack doch noch mitgekommen ist. Ich hoffe noch sehr darauf, dass der auftaucht bevor ich nach Ölgi, das 1700 km westlich liegt, fliege. Mein Flug geht um 4 Uhr früh und es scheint mir so weit weg. Wo in aller Welt ist mein Rucksack wohl gerade? Auf welchen Teil der Erde treibt er sich rum?

Einmal Ulan Bator
Völlig übernächtigt und planlos stehen wir am Flughafen rum und versuchen uns zu orientieren. Ich will mir eine mongolische Sim-Karte kaufen, damit ich bei der Aeroflot anrufen kann, aber der Laden macht erst um 10:00 Uhr auf. Wir beschließen zu warten und holen uns ein kleines Frühstück. Der Flughafen erscheint winzig und leer. Als der MobiCom-Laden öffnet stehe ich schon vor der Tür und will mir die SIM-Karte kaufen, ich werde belehrt, dass ich hier weder mit Euro noch mit Dollar zahlen kann, und muss erstmal wechseln gehen. Jedes Mal wenn ich die kleine Eingangshalle durchquere, werde ich gefragt, ob ich ein Taxi benötige. Ich habe schon mehrmals abgelehnt und verweise immer auf später. Irgendwann geben die Taxifahrer auf und lassen mich unbehelligt. Sarah darf immer auf unser Handgepäck aufpassen und ist auch ganz schön geschafft. Als ich die SIM-Karte endlich habe, versuche ich Heike und Tom zu erreichen, aber die haben keinen Empfang. Die Aeroflot geht auch gleich ans Telefon und ich soll einfach im Büro vorbeikommen und den Rucksack abholen, kein Problem. Ich beschließe dies gleich zu tun, nur ist das Büro irgendwo in der Stadt, die ungefähr 15 km vom Flughafen weg ist. Kein Taxifahrer lässt sich mehr blicken und ich weiß grad auch nicht weiter. Ewige Erklärungen vom Flughafenpersonal und hin und her mit dem Handgepäck, dass wir zum Teil gleich am Flughafen lassen wollen, findet sich ein Taxi, dass aber unverschämt teuer ist. Der Fahrer begründet den hohen Preis damit, dass er ein spezielles Flughafentaxi ist, es gäbe wohl auch andere, aber die wären nicht zuverlässig und vor allem grad nicht da. Mittlerweile ist mir irgendwie alles egal, und wir lassen uns zum Aeroflotbüro fahren. Dort zeigt man mir wieder den gleichen roten Rucksack, ein alter Bekannter. Ich beschließe, ihn auch diesmal nicht an mich zu nehmen und hoffe, dass es meinem Rucksack genauso geht. Endlich im Hotel versuchen wir zu schlafen. Sarah nickt wohl ein bisschen ein, aber ich bin zwar völlig übernächtigt, aber mein Zeitrhythmus ist so aus dem Gleichgewicht, dass ich nicht einschlafen kann. Kurz vor 17:00 machen wir uns zu Fuß auf den Weg ins Zentrum um etwas zu essen.

Friday, October 1, 2010

Vorbereitungen

Die Planung der Reise hat sich über Monate hingezogen. Ich wusste nicht wie es in der Mongolei sein wird und je mehr ich mich in die Reiseführer eingelesen habe, desto mehr komische Sachen wurbelten im meinem Kopf, die ich noch zu erledigen hatte, bevor ich die Reise in die Mongolei antreten konnte.

Verpeilt
Ich hab's ja eigentlich nicht so mit dem Planen, und wenn ich eine Reise plane, ob privat oder in der Arbeit, passiert immer irgendetwas Unvorhergesehenes. Wenn es die vergessene Zahnbürste, oder das Duschgel ist, dann kann man ja einfach was neues kaufen. Wenn es dann ein verschlafener Flug ist, oder das Netzteil vom Laptop, dann wird die Sache schon schwieriger. Ist alles schon vorgekommen. Mal ist es einfach viel zu viel Gepäck, mit Sachen, die ich wirklich nicht gebrauchen kann, oder es fehlen die notwendigsten Dinge. Ich habe auf jeden Fall schon viel Talent bewiesen, mir eine Reise schwierig zu gestalten. Diesmal wollte ich so gut wie nur irgend möglich diese Reise antreten, dass ich nicht an alles denken werde war mir schon klar, aber wenn es geht, dann hab's dabei und weiß was zu tun ist!

Wie lang?
Die erste Entscheidung war, wie lange fährst du. Mein Resturlaub war schon merklich geschrumpft und eigentlich wollte ich mir ganz viel freie Tage über mein Zeitkonto ansparen, aber meine Mama ist schon anfang des Jahres ziemlich krank geworden und die Zeit, die ich so übrig hatte, ist einfach für die ganzen Krankenhaus und Arztbesuche drauf gegangen. (Es geht ihr mittlerweile wieder ausgezeichnet!) Also was tun, nur 3 Wochen fahren? Das ist für die Mongolei einfach zu kurz. Ich war ja schon oft in Russland, und ich weiß wie umständlich es sein kann, z.B. einen bestimmten Ort zu erreichen, den man besuchen will. Da geht schon mal einfach eine Woche drauf, auf das richtige Fahrzeug, das richtige Wetter, oder alle Leute zu warten, die noch schnell mal auf's Klo müssen. Da geht schon mal eine Woche drauf. Ok, das Klo geht normalerweise schneller, aber das Wetter macht einen schon öfter mal einen dicken Strich durch die Rechnung. Also mein Terminplaner in der Arbeit spricht, maximal 5 Wochen. Mit ganz wenig hin und her hab ich noch ein bisschen unbezahlten Urlaub dazu genommen. Das merkt man später nur noch auf dem Abrechnungszettel.

Treffpunkt
Die Familie Praschel ist ja schon im März aus der Oberpfalz aufgebrochen und nun schon einige Zeit unterwegs und hat schon einige Schwierigkeiten, wie etwa schlechte Straßen, Visabeschaffungen, lange Wartezeiten an der Grenze hinter sich und haben schon einen reichen Erfahrungsschatz. Trotzdem dauert es ziemlich lange, bis wir uns auf einen Termin einigen können, der es mir erlaubt, die Flüge zu buchen und die Visa für mich und Sarah zu bestellen. Anfang August wollen wir uns an der Grenze Russland-Mongolei, ganz im Westen der Mongolei treffen. Die Flüge werden durch das späte Buchungsdatum schon um einiges teurer, als ich am Anfang gedacht habe. Natürlich schlägt auch hier gleich mein ungebändigtes Planungsvermögen zu. Treffpunkt ist die Stadt Ölgi. Vorher habe ich schon mehrmals mit Heike und Tom telefoniert und eigentlich war es schon klar, wo wir uns treffen wollen. Wir haben über die verschiedenen Städte gesprochen, die da im Umkreis liegen, und als ich den Flug endlich buchen will, weiß ich nicht mehr welche es war... Ich hab noch Ölgi im Kopf, aber als ich im Reiseführer nachschlage, sehe ich dass Ölgi keinen Flughafen hat. Es liegt aber noch eine andere Stadt in der Nähe mit einem kleinen Flughafen, über die ich mit Tom auch schon mal geredet habe, na dann war's doch wohl die. Ich habe mir das auch aufgeschrieben, aber der Zettel... na ja.

Flugplan
Ich habe im übrigen einen sehr netten Reisebüromenschen, mit dem ich das ganze mit vielen Telefonanrufen hin und her diskutiert habe. Der Mensch ist echt geduldig! Hier mal noch vielen Dank Herr Voßen! Es liegt wohl an seinem gutmütigen rheinländischen Gemüt, dass ich tatsächlich in der Mongolei angekommen bin. Nachdem ich die Flüge alle gebucht habe, rufe ich Tom an und erzähle ihm freudestrahlend, wann wir in … ankommen. Seine Freude ist allerdings etwas gedämpft, als er merkt, dass ich die falsche Stadt gebucht habe. Die Flugreise geht von München nach Moskau, von da nach Ulan Bator. Nach einem kurzen Aufenthalt in Ulan Bator dann mit einem kleinen Saab 30-Sitzer weiter. Ich weiß auch warum ich das erste Mal den Flug falsch gebucht habe, es gibt nämlich zwei Ölgis, die gar nicht so weit auseinander liegen. Ein eingehende Lektüre des Reiseführers klärt mich auch auf, dass ein und die selbe Ortsbezeichnung in der Mongolei öfter an verschiedene Plätze vergeben wird. Als ich das Herrn Voßen vermittle, reagiert er sehr verständnisvoll, wenn auch schon etwas anders. Genervt ist er nicht, aber auch nicht sonderlich erbaut. Also nach ein bisschen hin und her, ein paar Änderungen im Aufenthaltsplan in Ulan Bator steht der Plan. Äh, na ja, der Flugplan. Ich hab auch noch ein Haufen Geld für die eine Übernachtung ausgegeben, die Sarah und ich in der mongolischen Hauptstadt haben. Aber ich wollte wenigstens die Hinreise möglichst unkompliziert und bequem haben und mir nicht erst ein Hostel oder so suchen müssen.

Visa
Nachdem ich einen neuen Reisepass für mich, Vollmachten, Geburtsurkunden, Reisepass und Fotos von der Sarah gesammelt habe, mache ich mich ans Visabeantragen. Dabei stelle ich fest, dass ich gar keinen 5 Wochen in der Mongolei bleiben kann. Für die Mongolei gibt es nur ein 30 Tage Visum. Es gibt noch ein längeres Visum, dass man aber nur über eine Touristikgesellschaft, oder mit einer Einladung aus der Mongolei machen kann. Herr Voßen erzählt mir, dass ich bei der Ausreise ganz höflich sein muss, dann würde das wohl schon gehen. Hm, mein Reiseführer erzählt mir, dass ein Aufenthalt über die Visumdauer saftige Strafen kostet und auch streng geahndet wird. Nach dem ich in Russland schon ein paar unangenehme Erfahrungen mit der eigentlich fälligen, aber nie gemachten Registrierung gemacht habe. Frage ich Herr Voßen, wie es mit Bakschisch in der Mongolei ausschaut, in Russland hilft das immer. Herr Voßen wird das erste Mal ein bisschen ärgerlich, die Mongolen sind da wohl ein bisschen ehrsamer. Ich weiß nicht was ich tuen soll. Soll ich einfach so länger in die Mongolei fahren und es darauf ankommen lassen, dass die mich wohl nicht dabehalten werden, oder soll ich den Flug nochmal umbuchen und doch kürzer fliegen? Das kostet mittlerweile Unsummen, je näher der Abflugtermin kommt, desto teurer werden die Flüge. Nach ein bisschen Hin- und hergetelefoniere mit der Visumzentrale und nachdem ich nochmal auf die Mongleikarte geschaut habe komme ich auf die geniale Idee, dass ich ja einfach noch nach Russland an den Baikalsee fahren kann. Von Ulan Bator aus geht ein Zug nach Ulan Ude, dass schon in Russland relativ nah am Baikalsee liegt und da wollte ich ja auch schon immer mal hin. Also noch schnell ein Visum für Russland eingeschoben, aus dem einfachen 30-Tage Visum für die Mongolei ein doppeltes gemacht, mit dem man zweimal ein- und ausreisen kann. Die Kosten, na ja, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätt' ich es wohl trotzdem so gemacht. Mir war zwar noch nicht klar, ob ich genügend Zeit habe, mit dem Zug einen Tag hin, dann irgenwie zum Baikalsee zu kommen, dann wieder nach Ulan Ude und wieder mindestens einen Tag zurück nach Ulan Bator zu tuckeln, vor allem da ich gelesen hatte, dass die Züge nicht jeden Tag und vor allem nicht zuverlässig fahren. Aber das war mir dann egal, ich hatte einen Plan, der sich schon irgendwie machen lies.

Reiseapotheke
Ganz am Anfang habe ich mir einen Reiseführer für die Mongolei gekauft, in dem ich auch Herrn Voßens Telefonnummer gefunden habe. Den habe ich ziemlich intensiv studiert und schon gemerkt, dass ich noch einiges zu tun habe, um unbeschadet in die Mongolei und wieder zurück zu kommen. Das geht schon los bei der Liste von Krankheiten, die im Reiseführer angepriesen wird. Internetrecherchen eignen sich übrigens nicht zur Beruhigung. Von hässlichen Hepatitis AB Erkrankungen über Thyphus, Tollwut bis hin zur Pest, die von kleinen süßen Murmeltieren übertragen wird, wird alles geboten. Da fällt die Hand-To-Mouth-Desease gar nicht mehr ins Gewicht, vor allem, da die nach ein- zwei Wochen mit hässlichen Bläschen um den Mund ja wieder völlig abklingt. Mein Hausarzt zieht irgend einen Impfplaner raus und er meint, dass also Hepatitis AB auf jeden Fall und Thyphus würd' nicht schaden. Für Tollwut bleibt keine Zeit mehr, man kann nicht alles auf einmal Impfen. Er meint, dass ich mich einfach von den wilden Tieren fernhalten soll. Ich verspreche ihm das gerne. Nach dem ich ein bisschen wegen der Hepatitis Impfung rumzicke, wegen eventueller Nebenwirkungen und weil die einfach schweineteuer ist, wir er schon etwas sauer. Viel Geld ausgeben für eine Riesenreise und dann an der Gesundheit sparen, und im übrigen wäre das ganze Gesundheitspersonal geimpft und keiner hätte irgend welche Probleme gehabt. Ich gebe klein bei und die einzige Nebenwirkung, die ich habe, ist der Durchfall von der Thyphusimpfung. Der ist aber schnell vorbei. Der Hausarzt empfiehlt mir noch bei der Krankenkasse nachzufragen, ob die was dazu zahlen, aber Pustekuchen. Ein paar blöde Sprüche kann man sich da abholen, sonst nichts.

Navigation
Der Sonnenhut ist das erste Utensil, dass ich mir zulege. Die Sonne in der Mongolei soll sehr intensiv sein, da das Land im Durchschnitt schon über 1500 m liegt und die Sommer trotz des langen und strengen Winters sehr regenarm sind. Mein Reiseführer spricht von nächtlichen 5 Grad bis 30 Grad am Mittag und das am gleichen Tag. Was soll ich denn da für Klamotten mitnehmen? Mein Gepäck darf die 20 kg + 10 kg Handgepäck nicht überschreiten und da sind neben meinen Sachen auch die Geschenke für die anderen Reisenden, die schön langsam bei mir eintrudeln. Bücher, Bücher, Bücher. Dann noch ein paar Ersatzteile für die Lastwägen und Dinge, die man so braucht, wenn man mit zwei kleinen Kindern unterwegs ist und die man im östlichen Ausland einfach nicht kriegt, z.B. feuchte Wischtücher. Sabine bekommt von ihrem Bruder nach einigen gezielten Hinweisen einen Surfstick. Eines der weniger großen Dinge, zumindest im Bezug auf die physikalische Größe, ist die Garmin Software und Karten, die per OpenStreetMap für das Garmin zurecht gerechnet wurden. Die Praschels haben mir einen Link geschickt, über den ich die kostenlose Karten runterladen kann. Aber es kostet mich einige Zeit, die Garmin Software soweit zu bringen, dass diese die Karten so interpretiert, wie ich das will. Also natürlich ist das ganze ganz einfach, aber manchmal steckt der Teufel eben in den Anwendern. Ich habe das Garmin nicht hier, es ist schon seit März mit auf der Reise und kann das ganze nur im Kopf testen. Das Gerät ist leider schon sehr alt und hat nur eine serielle Schnittstelle, die Übertragung der Daten dauert entsprechenden lange. Ich besorge noch ein paar Adabpter. Welches Laptop, außer meinem, hat noch seriellen Anschluß? Weil ich gesehen habe, dass es mittlerweile eine riesen Auswahl von verschiedenen Karten von OpenStreetMap gibt, und mein Händi die auch nach einigen Überredungsversuchen mit dem Atlas Creator anzeigt. Lasse ich mir von meine Computer eine Strecke einmal Quer durch die Mongolei passend für mein Händi zurecht rechnen. Der Vorgang dauert mehrere Stunden und die Datenmenge ist sehr groß, aber das Ergebnis beeindruckend. Da mein Händi nur über eine 4 GB Speicherkarte verfügt, die ganze Mongolei mit einem angemessenen Zoomfaktor aber mehr als 16 GB hat, entscheide ich mich für irgendeine Route und eine neue 8 GB Speicherkarte, die ich noch am letzten Tag bekomme und aufspiele. Die Trekbuddy-Software mit der man mit den Karten navigieren kann ist auch kostenlos und gut zu bedienen.

Was darf mit?
Ich wiege jedes Teil, dass ich vielleicht mitnehmen will, auf das Gramm genau und zähle zusammen. Eine schwierige Entscheidung ist das Zelt. Elfi hat mir ihr altes Zweimannzelt ausgeliehen, dass mit allem drum und dran mit 2,3 kg zu Buche schlägt. Soll ich das mitnehmen oder nicht. Ich stelle mir vor 5 Wochen lang durchgehend mit den Praschels im Laster zu schlafen, 2 kleine Kinder, mit mir 3 Erwachsene und Sarah und das Zelt wird eingepackt. Nur so zum Notfall, außerdem weiß ich ja nicht wie die Reise zum Baikalsee wird, kann sein, dass ich das Zelt da auch noch gut gebrauchen kann. Ich leiste mir noch ne neue Isomatte, aber keine aufblasbare, die wäre einfach zu schwer, mit den 2 kg, oder viel zu teuer. Der Rest wird ziemlich spärlich gepackt, 2 lange leichte Baumwollhosen, 1 kurze Hose, 2 dünne Hemden, 1 Fließpulli und eine absolut regendichte Jacke. Schlafsack und ein paar uralte Badelatschen, die Alexander mal in den Alpen gefunden hat, als wir eine für mich und Alex damals ziemlich heftige Wandertour gemacht haben. Ich habe noch nie so wenig Socken dabei gehabt. Dabei ist eine vielfältige Auswahl von Socken, das erste was ich normalerweise einpacke. Ich bin grad eben nach Brüssel unterwegs mit 3 Paar Wollsocken, 3 Paar dünner Socken und dass für ganze drei Tage. In die Mongolei dürfen grad mal 2 Paar lange Wandersocken, ein Paar Wollsocken zum Wohlfühlen und ein paar dünne Socken für den Flug mit. Das fällt schwer. Was nicht so schwer fällt, ist die Entscheidung, kommt eine Kamera mit oder nicht. Ich habe zwei zur Auswahl, die Analoge, die sehr gute Bilder macht und mit zwei Objektiven ausgestattet ist und meine alte Digitale, die zwar nicht so schlecht ist, damals höchster Stand der Technik, aber eben damals. Keine Kamera, die eine zu schwer, die andere zu alt. Die Praschels haben eh eine gute Kamera dabei, also was soll's.

Und im übrigen stehen die Mongolen auf Schnupftabak und andere kleine Geschenke, wie Taschenmesser und handbetriebene Taschenlampen. Besucht man eine Familie in ihrer Jurte, dann ist ein kleines Gastgeschenk angebracht. Also noch ein Kilo Geschenke eingepackt und ich komme alles zusammen auf ca. 16 kg, Minimalrekord! Fast alle Bücher kommen ins Handgepäck, die Tasche scheint unendlich schwer. Alle meine Sachen sind im Wanderrucksack untergebracht, außer meiner Badetasche, meinem Pulli und meiner Jacke, obwohl es bei uns noch über 30 Grad hat. Aber die Jacken sind einfach zu schwer für's Gepäck. Ein alter ranzliger Koffer, den ich nicht wieder mit nach hause nehmen brauche, wird noch mit Zeug für die anderen Reisenden voll gepackt.
Sarah hat sich einen riesigen Koffer gekauft, und fleißig gepackt. Sie ist ja auch mindestens ein Jahr mit unterwegs, da ist es nicht mit ein bisschen Wandergepäck getan.
Als ich das dritte oder vierte Mal im Outdoorladen stehe und überlege, was ich denn noch alles brauche, hadere ich noch mit mir, ob ich mir die teure Skiunterwäsche leisten soll oder nicht. Ein Mittel gegen Mücken, sandtaugliche Zelthaken, zweimal umgetauschte Wanderschuhe und so weiter sind schon eingepackt. Nach ein bisschen Unwohlsein im Geldbeutel kaufe ich mir doch noch die lange Unterhose und das lange Unterhemd.

Verständigung
Ich will mich ja nicht nur auf meinen Reiseführer verlassen und wollte gerne noch einige Leute nach ihren Reiseerfahrungen fragen, aber so viele Leute kenne ich nicht, die schon mal in der Mongolei waren. Eine Freundin aus Erlangen hat mal eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn gemacht und war dann auch noch in der Mongolei. Sie hat sich damals auch einen kleinen Sprachführer mit CD gekauft und ihn mir zur Verfügung gestellt. Als der mit der Post ankommt stürze ich mich voller Enthusiasmus auf das kleine Büchlein und bin überzeugt, dass ich dank meiner gar nicht so schlechten Russischkenntnisse, mir innerhalb ein- oder zwei Übungen die Grundlagen der Sprache beibringe. Ich schlage das Buch auf und versuche die Wörter zu lesen. Es klingt ziemlich angestrengt und irgendwie nach zu vielen Buchstaben. Als ich die CD einlege um die Aussprache der Wörter zu lernen kriege bin ich völlig von den Socken. Auch als ich den zweiten Satz zum 4. Mal abspiele schaffe ich es nicht ihn wenigstens mitzulesen, geschweige denn ihn auszusprechen. Nix mit russisch. Das ist ganz was anderes, auch wenn die Mongolen kyrillische Buchstaben haben, das war schon die einzige Gemeinsamkeit. Ich fange mal am Anfang des Büchleins an, und lese da, das nach einer bestimmten Folge von Buchstaben, die Mitte des Wortes ausgelassen wird, ein ö kein ö, ein ü kein ü und ein g kein g ist, es aber einfach keine entsprechenden Buchstaben im Lateinischen oder entsprechenden russischen Alphabet gibt, und neue Buchstaben wollten die Leute von Kauderwelsch auch nicht erfinden. Ich probier's noch ein paar mal, ich halte mich ja für sprach begabt, aber ehrlich, ich bin mir noch nicht mal beim Wort Danke sicher. Trotzdem wandert das Büchlein ins Gepäck. Vielleicht wird’s ja noch.

Infos sammeln...
Eine Woche vor der Abreise erfahre ich dann noch zufällig, dass ein Kollege von mir mit einer Mongolin verheiratet ist. Ich treffe mich umgehend mit den Beiden und versuche noch zu erfahren, was ich denn noch alles vergessen habe. Der Kollege ist schon seit zwei Jahren mit Baigali verheiratet, war aber selber noch nie in der Mongolei und kann kein Wort mongolisch. Baigali meint, dass die Aussprache einfach zu schwer ist. Es gibt ganz viele Kehllaute und das ganze klingt für europäische Ohren sehr hart. Sie selber war auch noch nicht wirklich wo anders als in der Hauptstadt. Sie ist da aufgewachsen, wie die Hälfte aller Mongolen und ist schon seit ein paar Jahren in Deutschland. Auch sie planen eine Reise und fliegen, wenn ich ankomme. Es gibt einen Tag Überschneidung und wir machen aus, dass wir uns treffen, wenn es der Zeitplan erlaubt. Der Kollege ist etwas blass um die Nase als er vom kommenden Urlaub erzählt. Er muss noch „Landschaft anschauen“ üben, da hat er noch nicht viel Erfahrung und was macht man denn da, es gibt doch nichts außer Berge und Wüste. Die beiden haben einen 10 Tages Tripp mit Führer und Jeep und Rundumversorgung gemietet und fahren dann in die Wüste Gobi. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich eher den beiden Tipps gebe, als dass ich welche von ihnen bekomme. Ich bin ja mal gespannt, was die nach dem Urlaub zu erzählen haben.

Meine Reiseapotheke wächst auch mit jedem Apothekenbesuch. Ich packe ein und packe wieder aus. Ist ein Streckverband nun übertrieben oder nicht? Eine junge Frau aus Schmidgaden, die ich zufällig über den Hospitalityclub kontaktiere erzählt von einem Freund, der in der Mongolei vom Pferd gefallen ist und sich den Arm gebrochen hat. Das Krankenhaus war weit weg und ich packe noch einen zweiten Verband und ein paar extra starke Schmerztabletten ein. Was kann es denn noch für Unfälle, Krankheiten und unvorhersagbare Vorkommnisse geben? Irgendwann beschließe ich, dass ich alles was ich mir vorstellen kann durchdacht habe und vermeide das Einkaufen von noch mehr Durchfallmedikamenten und Reisetabletten.

Daten
Mein Gepäck steht am Vorabend fertig gepackt in der Ecke, alle Via, Reisepässe, Versicherungen und Flugpläne sind eingescannt und zweimal ausgedruckt. Alle Daten zweifach auf USB gesichert. Ich glaube noch nie so gut auf eine Urlaubsreise vorbereitet zu sein. Ich gebe Alexander letzte Instruktionen, wie wann und wo meine Pflanzen zu gießen sind. Ich mache mir nicht allzu große Illusionen, ich kann den zukünftig eintretenden Schaden nur auf ein Minimum reduzieren. Sissi und Lämmi kommen noch und wir machen eine Abschiedsbrotzeit. Ich habe keine Ahnung wie das alles wird. Die Flüge sind kein Problem, aber treffen wir uns dann auch wirklich zum richtigen Zeitpunkt? Hab ich die Visa alle richtig gemacht? Wie wird das mit der Sarah? Neupi hat schon gesagt, dass sie beim Fliegen immer sehr nervös ist und ich bereue, dass ich nicht doch noch Reisetabletten gekauft habe, die ich ihr heimlich verabreichen könnte.

Abschied
Neupi holt mich in der Früh ab. Sarah und ihre beste Freundin sitzen im Auto und sind reichlich aufgeregt. Die Fahrt nach München verläuft ohne Probleme, ein kleiner Stau lässt uns von der Autobahn abfahren, aber nach einer kurzen Strecke Landstraße sind wir schon fast am Flughafen. Das Gepäck wird eingecheckt und kostet Sarah bzw. Neupi saftiges Übergepäck. Zumindest müssen wir uns nicht um das Gepäck beim Weiterflug von Moskau nach Ulan Bator kümmern, das geht ganz automatisch. Als es dann an den Abschied geht, sind Sarah und ihre Freundin ziemlich betreten und ein paar Tränen fließen auch. Neupi hat für Sarah noch ein paar Baldriankapseln besorgt, von der Sarah noch eine nimmt. Das hat wohl eher einen Placeboeffekt, aber hauptsache es hilft. Ich habe noch das übliche Kuddelmuddel mit meinem Handgepäck, weil ich mein bereits geöffnetes nicht in die durchsichtigen Plastiktütchen, die am Flughafen vorgeschrieben sind, eingepackt habe. Neupi kauft noch schnell eins und dann geht’s auch schon los.